Bild zu Verständigen bei Spannungen

Haifa bei Konflikten

WISSEN FÜR BERATER UND BERATERINNEN
wird aus der Schatztruhe des holistisch-systemischen Strategiesystems STRATEGIERAD ® für Sie regelmäßig zum Lesen und auch zum download ergänzt.

Zum Downloaden die Übungsanleitung: Haifa - Gesprächsregeln bei Spannungen

#822 Haifa - Die Gesprächsregeln zur dialogischen Kommunikation bei Konflikten und Spannungen

Die wenigsten wünschen sich Spannungen und Konflikte herbei.
Und das, obwohl Spannungen anzeigen, das eine bisherige Verhaltensweise nicht mehr passt und ein Konflikt einen stockenden Veränderungsprozess wieder in Bewegung bringen kann.

Die nachfolgende Strategie hilft Ihnen als Beraterin und Berater, z.B  bei einer Paarberatung oder bei der Begleitung von Gruppenprozessen gelassen und achtsam mit Spannungen und Konflikten umzugehen.

Vor der methodischen Anleitung:

Zunächst die Beschreibung der Grundprinzipien mit HAIFA in der Konfliktkommunikation. Danach, was die fünf Buchstaben bedeuten und zuletzt, wie Sie als Berater und Beraterin methodisch in der Paarberatung und in der Begleitung von Gruppenprozessen damit arbeiten.

HAIFA ist mehr als nur eine Methode. Dahinter steht die Überzeugung, dass weniger der Konflikt das Problem ist, sondern die Art der Konfliktregelung zur Ursache neuer Konflikte werden könnte.

HAIFA hat als Strategie wesentliche Grundprinzipien:

  • Prinzip der Konfliktbejahung
  • Prinzip der beiderseitigen Verursachung
  • Prinzip der Achtsamkeit in der Konfliktkommunikation
  • Prinzip kein Gewinner und Verlierer
  • Prinzip Verstehen ist wichtiger als Übereinstimmung
  • Prinzip Struktur, Regeln und Vereinbarungen für den Prozessablauf

Die fünf Buchstaben von H A I F A

H = Halten sie ein und holen Sie tief Luft!


A = Anerkennen: Sagen Sie Ihrem Gegenüber etwas Anerkennendes, Positives: Würdigen Sie, was alles schon von Ihrem Gegenüber versucht wurde, das Problem zu lösen.


I = Interesse: Drücken Sie Ihrem Gegenüber/ dem angeschnittenen Thema deutlich Ihr Interesse aus und dass Sie zusammen mit ihm eine für beide gute Lösung finden wollen!


F = Fehler zugeben, Fragen: Geben Sie ruhig einen Fehler/ eigenen Anteil zu, aber stecken Sie nicht alles zurück! Fragen Sie, was Ihr Gegenüber von Ihnen an Handeln für die Lösung erwartet.


A = Antworten, Angebot: Antworten Sie auf die Erwartung an Sie. Teilen Sie mit, was Sie bereit sind konkret zu tun. Machen Sie ein konkretes Angebot / einen konstruktiven Vorschlag um die Spannung/ den Konflikt zu lösen!

Zunächst motivieren Sie das Paar oder die Gruppe zum Ausprobieren:

Ganz gleich, ob Sie die Übungsanleitung von HAIFA - die Sie nachfolgend herunterladen können - in der Paartherapie oder zur Verbesserung der Konflikt-Kommunikation in einer Gruppe einsetzen, es bedarf Ihrer Erläuterung, wie die Kommunikation auf Augenhöhe den Prozess der Konfliktbereinigung voranbringt, statt neue Konflikte zu schaffen.

Betonen Sie das Grundprinzip, dass es zunächst nicht um Übereinstimmung geht, sondern um das gegenseitige Verstehen. Erst einmal geht es um das Erkennen, dass die Kontrahenten das Konfliktgeschehen aus unterschiedlichen Perspektiven und Erwartungen wahrnehmen. 

Betonen Sie, dass in einem strukturierten Ablauf des Konfliktgesprächs es leichter ist, Gefühle sowohl mitzuteilen, wie auch Veränderungswünsche zu besprechen und zuletzt sogar zu Vereinbarungen zu kommen.

Das alles auf der Basis, sich selbst und den anderen im Anderssein zu erfahren.

Weiter noch in der gemeinsamen Erfahrung des ernsthaften Bemühens, den Lösungsweg gemeinsam zu gehen, können neue Möglichkeiten zur Problemlösung gefunden werden.

Erläutern Sie Vorgehensweise:

Anhand des Übungsblatts erklären Sie kurz den Sinn.

H = Einhalten und Luft holen bedeutet sich zuächst auf sich selbst zu konzentrieren.

A = Anerkennen bedeutet zu würdigen, dass trotz allem Unmut, Sie erkennen, dass auch das Gegenüber sich zum Lösung des Problems bemüht hat und dies auch mitzuteilen!

I = Interesse bedeutet auszusprechen, dass eine gemeinsame Lösungsfindung gewünscht wird.

F = Fehler zugeben und Fragen bedeutet wirklich auf Augenhöhe zu gehen. Davon weg zu gehen, dass der andere alles falsch gemacht hat und man selbst alles richtig.
Benennen das man selbst etwas falsch gemacht hat oder hätte anders machen können, schafft Vertrauen. Dann die Frage stellen, was das Gegenüber, denn von mir möchte, drückt die Bereitschaft aus, zunächst einmal zuzuhören.

A =Antworten und ein Angebot machen bedeutet die Bereitschaft auf die Erwartung des Gegenübers einzugehen und ein Angebot zu machen, dass beide Interessenslagen berücksichtigt.

Demonstieren Sie die Vorgehensweise mit einem Beispiel:

Wählen Sie ein einfaches Beispiel.
Sie wünscht sich von ihm, dass sie gemeinsam ihre Mutter am Wochenende besuchen. Er meint, dass sie erst vor drei Wochen da waren und er sich dann meist im intensiven Kontakt von Tochter zur Mutter ausgeschlossen fühlt.
Demonstrieren Sie dann die fünf Haifa-Schritte:

  1. Die Konzentration auf sich selbst und auf den Willen einer Klärung. Atmen, den anderen anschauen, den eigenen guten Stand auf dem Boden spüren.
  2. Würdigen der Bemühungen.
    Er: "Auch wenn ich keine Lust habe unsere freie Zeit mit deiner Mutter zu verbingen, ich finde gut, dass du mit mir darüber sprichst".
    Sie: "Wenigstens hörst du mir jetzt zu."
  3. Interesse an einer gemeinsamen Lösung ausdrücken.
    Er: "Mich stört auch, dass vor jedem Besuch bei deiner Mutter Missstimmung zwischen uns ist, und ich möchte gerne mit dir zu einer guten Vereinbarung kommen, die für dich und für mich passt."
    Sie: "Wäre schön, wenn es klappt da eine gemeinsame Lösung zu finden".
  4. Fehler zugeben - Fragen.
    Sie: "Ich bin schnell auf 180, wenn ich deine Unlust mitbekomme. Unter welchen Bedingungen, würdest du denn bereitwilliger mitkommen?"
  5. Antworten und ein Angebot machen.
    Er: "Ich will deine Mutter ja nicht ausschließen - und manchmal kann sie ganz nett sein. Doch mir sind die Besuche zu häufig. Wie wäre es, wenn ich nur jedes zweite Mal mitkomme?

Einüben:

Bitten Sie das Paar oder in einer Gruppe je zwei Teilnehmer:innen sich ein leichtes oder konstruiertes Thema auszuwählen.
Begleiten Sie diesen Übungschritt, in dem Sie bestätigen und korrigieren.
Ermuntern Sie die Partner zum Abschluss einer Klärungseinheit, auch dann wenn es noch nicht zu Einigungen gekommen ist, eine Versöhnungsgeste und ein Danke auszudrücken.

Beispiel: "Danke, dass du dir mit mir die Zeit dafür genommen hast." Geste: z.B. ein hochgehobener Daumen oder Zunicken, so wie es am besten für die Gesprächspartner passt.

Danach könnte in einem weiteren Durchgang ein reales Thema angesprochen werden.

Oder bei der Paarberatung, vereinbaren Sie zu einem konkreten Thema, eine Umsetzungsaufgabe bis zum nächsten Beratungstermin. Sich wenigstens zweimal zu einer vereinbarte Zeit zu einem ebenfalls vereinbarten Thema treffen. Eine Zeitvereinbarung nicht nur wann treffen, sondern auch wie lange.
Gute Erfahrungen bestehen mit einer Zeitgrenze von 20 Minuten.
Betonen Sie nocheinmal die Wichtigkeit des dankenden Abschlusssatz und der Versöhnungsgeste.

Bei Konfliktpartnern in einer Gruppe oder einem Team könnten die Beteiligten einen Gesprächstermin vereinbaren und beim nächsten Gruppentreffen mit Ihnen als Berater:in vom Stand berichten. Dabei werden Sie wahrnehmen, ob es einer weiteren Unterstützung bedarf.

Alles hat seine Zeit.
Auf den Prozess der Neustrukturierung aufmerksam machen:

Es ist nicht schlimm, wenn die Gesprächsparter nach der vereinbarten Gesprächszeit noch keine Übereinkunft gefunden haben. Eine Neustrukturierung erfordert oft eine innere Veränderung der Haltung oder eine Erweiterung der bisherigen Werte.

Viel wichtiger ist, dass die Konfliktpartner die unterschiedlichen Positionen und die dahinter liegenden Beweggründe verstehen, denn:
Verstehen ist wichtiger als Übereinstimmung.

Das ist dann die gute Voraussetzung im Klärungsprozess voranzukommen.
Die Partner sollten dann eine Absprache treffen, wann Sie wieder miteinander sprechen werden, um den Klärungsprozess fortzusetzen.

Hilfreich ist dabei eine konkrete Vereinbarung mit einem Mini-Vertrag über:
Was ist das weitere Thema zu dem wir klären wollen?
Wer? Mit wem noch? Sollte noch jemand dazu kommen?
Wie? In welcher Form?
Wann? Bis wann? Uhrzeit und Zeitgrenze vereinbaren.
Wo? An welchem Ort? Welcher Ort passt individuell am besten?

Ihre Vorbereitung für Ihre Beratung mit HAIFA:

So habe ich es gemacht, als ich vor einigen Jahren HAIFA kennenlernte. Ich habe einen Kollegen beim erstenmal gefragt, ob er das mit mir ausprobieren möchte.

Ermutigt von der positiven Erfahrung habe ich HAIFA dann auch in meinem privaten Umfeld als bewusste Vereinbarung mit Gesprächspartnern anhand des Übungsblatts genutzt.

Beeindruckende Wirkung hat HAIFA auch bei Konflikten mit Menschen, die HAIFA nicht kennen. 
Dazu habe ich die fünf HAIFA-Schritte als Kommunikations-Vorgehensweise für mich selbst in Klärungsprozessen angewandt. Und ergänzend für die Fortsetzung eines Konfliktgesprächs, den Mini-Vertrag (siehe vorausgehender Abschnitt) angewandt.

Ich empfehle:
Machen Sie Ihre eigene Win-Win-Erfahrung mit HAIFA. Dann wird HAIFA bald ein wichtiges Beratungsinstrument in Ihrem Methoden-Portfolio.

Zum Downloaden die Übungsanleitung: HAIFA - Gesprächsregeln bei Spannungen

Mein Unterstützungsangebot zu HAIFA:

Noch Fragen zur Anwendung?
Rufen Sie mich zur Beantwortung Ihrer Fragen in einer kostenfreien Kurzberatung unter +49 (0)2204-981021 an oder schreiben Sie mir eine Email 

Oder schreiben Sie mir zu Ihren Erfahrungen mit HAIFA.
Gerne antworte ich Ihnen.

 zeigt Wilhelm Berns

zeigt im Bild Unterschrift von W. Berns
Wilhelm Berns,
BERNS CONSULTING.

... Menschen und Organisationen entwickeln

Ihre Ziele erreichen

Im Newsletter "Strategie-News" schreibe ich Ihnen vierteljährlich, wie Sie sich persönlich und beruflich in den verschiedenen Rollen, in denen Sie sich verhalten, erfolgreich positionieren können.

Mit einer Strategie, die zu Ihnen passt.

Mit Anregungen zu Themen, die ganzheitlich beruflich und privat bedeutend sind.

mehr lesen...

Beratungswissen

... aus unserer Schatztruhe
Zum downloaden. Erweitern Sie Ihre Methoden- und Ihre Interventions-Kompetenz.
Lesen Sie Beispiele aus der Praxis der holistisch-systemischen Strategieberatung.


mehr lesen...